Dünner Stoff = Schlechte Qualität? Nein!

22.06.2014

Ist dickerer Stoff besser? Sind dünnere T-Shirts schlechter? Oder ist nicht vielleicht der dünnere Stoff der feinere und damit hochwertigere?

Die Grammatur (das Stoffgewicht) eines Textils sagt allein nichts über die Qualität aus. Ein T-Shirt aus Stoff mit 160-180 Gramm pro Quadratmeter kann schlechter sein als eines mit nur 120-140 g/qm. Oft wird bei "schweren" Stoffqualitäten minderwertige Baumwolle verarbeitet, die zu dickeren Garnen gesponnen werden muss, damit sie hält. Feine Gewebe oder Gewirke lassen sich nur aus feinen Garnen herstellen. Feine Garne können nur aus hochwertiger, langfaseriger Baumwolle gesponnen werden.

Dünne Stoffe sind in vielen Bereichen der Textilverarbeitung seit Jahren ein Zeichen für weitentwickelte Herstellungstechniken und hochwertige Faserqualitäten. Bei Seide oder bei feinem Tuch für Anzüge käme niemand auf die Idee dünne Qualitäten als minderwertig zu bezeichnen. Ganz im Gegenteil, hier werden besonders dünne Stoffe mit "Super100" und ähnlichen Bezeichnungen geadelt, weil es besonders guter Rohfasern und aufwändiger Fertigungstechniken bedarf um sie herzustellen.

Warum ist das bei T-Shirts anders? Hier muss man vielleicht einen Blick zurück werfen auf die Historie des T-Shirts. Es wurde ursprünglich als reine Funktionswäsche, als Unterwäsche entwickelt. Modische Aspekte spielten keine Rolle. Es sollte wärmen und die "echte" Oberbekleidung (Hemden und Sakkos) vor Schweiß schützen. Es wurden recht billige Stoffe verarbeitet, die - wie oben erklärt - aus Baumwolle erzeugt wurden, die für "echte" Oberbekleidung keine Anwendung fand, weil zu minderwertig. Diese billigen Baumwollsorten wurden als dicke Garne in Jersey-Stoffe mit bis zu 200 g/qm zu T-Shirts verarbeitet. Noch bis in die 1990er Jahre waren T-Shirts mit Grammaturen von 180 bis 190 g/qm die übliche Standardausführung.

Doch schon ab Anfang/Mitte der 1980er begann ganz langsam ein Wandel. Das T-Shirt war nicht mehr nur Unterwäsche, es etablierte sich allmählich als Oberbekleidung. Anfangs zwar nur im sportlichen Freizeitbereich, und noch lange nicht ausgehfein. Erst ab den 90ern konnte man "nur" mit einem T-Shirt bekleidet abends ins Restaurant oder einen Club gehen ohne schlecht gekleidet zu wirken. In den 90ern wurde aus dem T-Shirt allmählich ein gesellschaftsfähiges Modestück. Und die Hersteller begannen nun damit, modische Passformen, neue Schnitte und andere Materialqualitäten für das T-Shirt zu entwickeln.

Heute sind wir in den 2010ern, das T-Shirt ist längst als Oberbekleidung etabliert und in der Mitte der Gesellschaft als Modestück angekommen. Hochwertige Baumwollqualitäten bleiben nicht mehr nur Gewebestoffen für Hemden, Blusen, Anzüge oder Kleider vorbehalten. Es werden hochwertige Jersey-Gewirke aus teuersten Baumwollsorten hergestellt, die mit extrem soften Oberflächen, feinsten Maschenstrukturen und luftig-leichtem Tragegefühl nicht mehr viel mit den früheren T-Shirts gemeinsam haben.

Dass diese feinstrukturierten Jersey-Qualitäten von manchem als "dünn und minderwertig" empfunden werden, ist daher im persönlichen, subjektiven Empfinden des Einzelnen begründet, aber ganz sicher nicht mit objektiver Qualitätsbeurteilung erklärbar.

Bei unserem Kollektionswechsel im Juni 2014 hat sich das Stoffgewicht unserer Männer-T-Shirts nur unwesentlich geändert: von zuvor 145 g/qm auf jetzt 140 g/qm. Dass unsere neuen Männer-T-Shirts dennoch leichter und dünner wirken, liegt an der verbesserten Jersey-Struktur aus feineren Garnen und kleineren Maschen. Dieses luftige, leichte Tragegefühl mag für manchen ungewohnt sein und auch nicht jedermanns Geschmack entsprechen. Diese andere Qualität ist dennoch kein Rückschritt. Es ist eine Veränderung. Und aus unserer Sicht eine zum Besseren.

Wir haben über ein Jahr Zeit und Arbeit in die Auswahl unserer neuen Kollektion gesteckt. Unzählige Musterteile verschiedenster Produzenten beurteilt, vermessen, bedruckt, getragen, gewaschen, usw... Wir haben strenge Qualitätskriterien für Bedruckbarkeit und Waschfestigkeit zum Maßstab genommen. Wir haben modische Aspekte bzgl. Schnitten und Materialien einbezogen. Ethische, soziale und ökologische Gesichtspunkte in der Herstellung berücksichtigt. Wir sind stolz auf das Ergebnis und stehen hinter jedem einzelnen Teil das unser Haus verlässt.

Dass wir nicht jeden Geschmack damit bedienen können ist schade. Aber vielleicht gewöhnen sich die Kritiker ja an diese neue, modischere Qualität. Uns dad's gfrein!